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16 Juni 2014

Vom Vlies zum Fell...

... oder wie man sich an einem Sonntagnachmittag auch körperlich betätigen kann

Gestern war Sonntag...

Gestern war der Himmel größtenteils bedeckt...

Gestern regnete es aber nicht...

.... und so hab ich die Gelegenheit am Schopfe ergriffen und das gemacht, was mir schon seit geraumer Zeit im Kopf rumspukt.... aus einem Vlies ein Fellchen gefilzt.

Bereits vor Monaten hatte ich mich ein erstes Mal an ein Sitzfellchen aus langfaseriger Rohwolle vom weißén Bergschaf gewagt, welches nun meinen Spinnstuhl wärmt und ziert.

Damals hatte ich einzelne lange Zotteln einfach umgekehrt in einen großen Plastik-Blumenuntersetzer gepackt und dann auf der Oberseite (dort wo geschoren wurde) mit feinem gekauftem Vlies verfilzt. Leider musste ich aber feststellen, dass nicht alle Zotteln im Filz gefangen wurden und sich daher anschließend ausschütteln ließen.

Basierend auf diesen Erfahrungen und den berichteten Schwierigkeiten einer befreundeten Filzerin (von der ich das Vlies auch geschenkt bekam - dafür nochmals lieben Dank, Margit!) beim selben Vorhaben, ging ich diesmal anders vor.

Meine Überlegung war, dem beim späteren Filzen eventuellen Auftreten von Löchern zuvorzukommen, indem ich das Vlies mit der geschorenen Seite nach oben auf 2 großen Gartentischen ausbreite, ganz zusammenschiebe, dabei alle langen Fasern nach unten packe und die Unterwolle auch wirklich nach oben zeigen lasse, versuche die Löcher zu schließen, um dann erst mal eine Ladung gekauftes fertiges Vlies oben drauf zu legen (einmal in Längs-, einmal in Querrichtung) und diese Lagen vor dem Nassfilzen erst einmal mit meinen 4 Filznadeln wie beim Trockenfilzen zu verbinden. 

Fellchen 1

Es waren wirklich viele Stiche nötig, bis ich das Gefühl hatte, die 3 Lagen haften nun fest genug aneinander, um auch ein Umdrehen gefahrlos zu überstehen. 

Die Durchsicht auf der Vorderseite ergab, dass es durchaus Sinn macht, diese Prozedur auch von oben her noch einmal zu wiederholen - insbesondere an Stellen, von denen ich dachte, die langen Zotteln wären nicht richtig mit der Unterwolle und dem Vlies verbunden.

Fellchen 2

Erst nach vielen weiteren Stichen mit den Nadeln "bewaffnete" ich mich mit einer eigens dafür angeschafften Massage-Bürste mit Plastiknoppen und begann mit heißem Seifenwasser von oben her die Fasern sanft von der Mitte ausgehend zum Verfilzen zu animieren.

Massagebuerste


Den Vorgang selbst würde ich als vorsichtiges "Einzittern" beschreiben.

Drei Blasen an den Fingern und viele Liter kochendes Seifenwasser später ;) ließ sich das ganze nasse Vlies problemlos, obgleich schwer, umdrehen und ich konnte die Rückseite mit den Händen bearbeiten. 

Eine Schwimm-Nudel half mir letztendlich beim Walken.

Das Fell immer noch schmutzig und auch noch nicht fest genug verfilzt, entschied ich mich dann nach 4 Stunden harter Arbeit, die Waschmaschine mit einem Automatik-Programm bei 30°C zu Hilfe zu nehmen und heraus kam...

Fellchen 3

... dieses zottelig-schöne Sitzfell, welches nun nur noch trocknen muss.

Es wird mir fortan eine Freude sein, darauf im Garten oder auf der Terrasse zu sitzen :)

- nicht zu vergessen als Unterlage beim Yoga, das ich hoffentlich demnächst wieder praktizieren kann!

Kommentare (2)

  • Michaela

    23 Dezember 2015 um 11:46 |
    Hallo Frau Heuser, ich bin zufällig auf Ihre Seite gestoßen, als ich Tips fürs Filzen suchte. Bis auf Filzen in der Waschmaschine habe sich noch keine Erfahrung. Aber dieses Fließ ist ja einfach nur "wow" geworden. Echt super! Ich habe einen Hund, dessen Fell auch so in Schnüren wächst und träge mich nun mit dem Gedanken einen "zotteligen" Schal zu Filzen, nachdem ich solche gefilzten Schals aus Schurwolle auf dem Weihnachtsmarkt gesehen habe.
    Lg Michaela

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    • Karin Heuser

      31 Dezember 2015 um 15:10 |
      Hallo Michaela,

      von Hundehaaren weiß ich nur, dass sie sich - ab einer bestimmten Länge - auch verspinnen lassen. Ob ein Filzen möglich ist, weiß ich jedoch nicht. Dazu bedarf es einer schuppigen Oberflächenstruktur des Haares, welche durch Reibung, Seife und Wärme zum Verfilzen gebracht werden kann.

      Mittlerweile habe ich auch weitere, größere Vliese als Ganzes verfilzt - viel Arbeit, aber ein schönes und befriedigendes Gefühl, wenn man anschließend weiß, kein Tier musste für mein Fellchen sterben (... anders bei normalen gegerbten Fellen).

      Ich würde vorschlagen: einfach ausprobieren! Und vom Ergebnis berichten :)

      Viel Erfolg und LG
      Karin

      antworten

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